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Hapkido - Geschichte

Entstehung Entwicklung von Hapkido

Wenn auch viele der Techniken, die in Hapkido verwendet werden, ihren Ursprung in alten koreanischen Kampfkünsten haben, beginnt die eigentliche Geschichte von Hapkido mit dem koreanischen Großmeister (GM) Choi, Yong Sul (1904-1986).

Choi Yong-Sul (1904 - 1986; auch Choi Yong Sool, Asao Yoshida, Tatsujutsu Yoshida) wurde 1904 in einem Dorf namens Yong Dong in der Provinz Choong Chung in Korea geboren. Zu dieser Zeit geriet Korea unter die Herrschaft Japans. Ein japanischer Ladenbesitzer, der keinen Sohn hatte und Choi zu seinem Erben machen wollte, entführte ihn nach Japan als er 8 Jahre alt war. Aber schon bald nachdem er in der japanischen Stadt Moji ankam, wurde er verstoßen. Auf der Straße wurde Choi von der Polizei gefunden und zu dem buddhistischen Mönch Kintaro Wadanabi gebracht. Choi, der großes Interesse für die Kampfkunst im Tempel zeigte, wurde im Alter von etwa 11 Jahren zu Takeda Sokaku gebracht, der ein Kampfkunstlehrer und Freund von Kintaro war. Nach eigenen Angaben lernte Choi fast 30 Jahre lang bei Takeda Daito-Ryu (aus einem Interview von GM Choi 1982).

Daito-Ryu wurde über Jahrhunderte im Geheimen durch die Takeda-Familie verbreitet, bis im späten 19. Jahrhundert Sensei Sokaku Takeda (1860-1943), der 32. in der Linie der Takeda-Familie, das System erhielt. Es ist eines der ältesten überlieferten Formen des japanischen Aiki-jujutsu. Takeda eröffnete eine Daito-Ryu Aiki-jujutsu Schule in Hokkaido, Japan, und war der erste der Takeda-Familie, der Schüler unterrichtete, die nicht Abkömmlinge der japanischen Kriegerklasse waren. Die Kampftechniken, die Takeda unterrichtete, schlossen Gelenkverdreh- und Hebeltechniken, Nervengriffe, Würfe, Festlegetechniken, Würgetechniken, und zu einem geringen Grade auch Schlagtechniken (mit Händen, Ellbogen, Füssen, Knien) ein.

Man muss die Beziehung zwischen Takeda und Choi aus einer historischen Perspektive betrachten, um diese zu verstehen. Takeda war der letzte in einer langen Reihe von Samurais. Die Japaner sahen sich als eine göttliche Rasse und daher waren für sie die Koreaner im besten Fall Bürger zweiter Klasse. Da Choi Takedas persönlicher Bediensteter war, war er natürlich immer bei Takedas Stunden anwesend. Es ist nicht klar, wann Choi tatsächlich angefangen hat, die physischen Aspekte des Daito-Ryu zu studieren.

Choi kehrte nach Takedas Tod 1945 nach Korea zurück und eröffnete in Tae Gu seine erste Schule. Anfänglich lehrte Choi unter dem Namen Yu Sul (der koreanische Ausdruck für Ju-Jutsu) seine Schüler eine reine Form des Daito-Ryu. Als im Laufe der Zeit andere koreanische Kampfkunstpioniere, wie General Choi Hong Hi, die offensive Natur Tae Kyons wieder entdeckten und verbreiteten, wurde Choi von ihren Entdeckungen beeinflusst. Er begann alte koreanische Kampfkünste zu erlernen, kombinierte ihre harten Techniken wie Tritte und Schläge, ergänzte diese mit den Techniken des Umleitens und der Kraftausnützung, die er aus Japan mitgebracht hatte, und begann sein eigenes System zu unterrichten.
GM Choi änderte zu dieser Zeit des Öfteren den Namen seiner Kampfkunst. So nannte er sie nach Yu Sul (Weiche Kunst), auch: Yu Kwon Sul (Weiche Faust Kunst), Hapki Yu Kwon Sul (In Einheit mit Ki Weiche Faust Kunst) wobei der Begriff "Hapkido" erstmals Mitte der 60iger Jahre auftauchte. Seine Schüler gründeten später wieder eigene Stile mit eigenen Benennungen, welche die Prinzipien gemeinsam haben, sich aber im Detail (Techniken usw.) unterscheiden. Zu den bedeutendsten Schülern Chois dieser Zeit zählen 'Ji Han-Jae', und 'Kim Moo-Wong'.

 

Großmeister Ji, Han Jae wurde 1936 in Andong, Südkorea geboren und gilt als Begründer des modernen Hapkido. Ji begann im Alter von 13 Jahren sein Training bei Choi, Yong Sool. Seine Entwicklung beschleunigte sich unter der Führung eines Taoistischen Mönches namens Lee. Dieser unterrichtete Ji im Gebrauch verschiedener Waffen, koreanischer Fuß-Technik-Methoden und der Entwicklung von Ki-Energie und innerer Stärke. Während dieser Zeit wurde er auch von einer buddhistischen Nonne in Meditation unterrichtet. Ji begann den Stil von Choi mit seinen neu erworbenen Kenntnissen zu vereinen und eröffnete sein erstes Dojang (= Trainingsort) in Andong.

Unter den Namen „Korean Kido Assocation“ ('Dae Han Kido Hwe') wurde von Choi und Ji die erste Hapkido-Organisation gegründet. 1963 wurde dieser Verband auch von der Regierung anerkannt und erhielt die offizielle Genehmigung das Prüfungsprogramm festzulegen und Dan-Graduierungen zu verleihen. Sie gilt auch heute noch als einer der mächtigsten Verbände in Korea.

In den Dojangs von Kim Moo Wong und Ji Han Jae trainierten viele herausragende Schüler, die später selbst eigene Schulen bzw. Kampfstile begründeten. Dazu zählen: 'Oh Se-Lim' ('Korea Hapkido Federation'), Myung Kwang-Sik ('World Hapkido Federation'), Han Bong-Soo ('International Hapkido Association'), Myung Jae-Nam ('International Hapki Federation'), Lee Joo-Bang ('Hwa Rang Do'), Suh In-Hyuk ('Kuk Sool Won') um nur einige zu nennen. Viele davon lernten zeitweise auch direkt von Choi Yong-Sool und sehen ihn heute als ihren wichtigsten Lehrmeister an.

Ji Han-Jae, der bereits seit 1958 an der Militärakademie Hapkido unterrichtete, wurde 1965 auf Grund seiner Fähigkeiten zum Chefausbildner der Leibwache des Präsidenten ernannt. 1979 nach dem Attentat auf Präsident Park und dessen First Lady wendete sich das Blatt. Ji verlor seine Position und seinen politischen Einfluss und wanderte nach einem Zwischenstopp in Deutschland bei GM Kim Sou Bong, 1984 in die USA aus. Dort änderte er den Namen seines Stils abermals und unterrichtet seitdem Shin Moo Hapkido.

Wie Ji Han Jae wanderten auch viele andere Hapkido- Meister wegen der politischen Unruhen in Asien und Korea in die USA und nach Europa aus. Einige von ihnen kamen in den 60er Jahren auch nach Deutschland (u. a. Park In Suk, Song Il Hak, Kim Sou Bong).

GM Kim Sou Bong (ein Schüler von Ji Han Jae) kam 1965 nach Deutschland um Hapkido zu unterrichten. Kim systematisierte die Vielzahl der Techniken zu einem eigenen Lehrsystem und verfasste auch das erste Buch über Hapkido in deutscher Sprache.

Anlässlich eines Sommerlehrganges des Österreichischen Jiu Jitsu Verbandes, wurde 1972 erstmals durch Kim Sou Bong, Hapkido in Österreich vorgestellt. 1974 wurde der erste Verein in Graz gegründet und nach und nach entstanden auch in anderen österreichischen Städten Hapkido- Vereine. Gerhard Agrinz und Ewald Pilz waren zur damaligen Zeit sicherlich maßgeblich daran beteiligt, dass Hapkido in Österreich bekannt wurde.

Derzeitige Entwicklung:

Im Laufe der Zeit haben sich auch viele Meister anderer koreanischer Kampfkünste dem Hapkido zugewandt. Dadurch, dass sie ihr Wissen und die oft langjährigen Erfahrungen mit ins Training aufnahmen, entwickelten sich innerhalb des Hapkido unterschiedliche Stilrichtungen. Diese Entwicklung lässt sich anhand der Techniken sehr leicht nachvollziehen. Die Variationen reichen dabei von sehr harten, kurz ausgeführten Techniken bis hin zu den weichen, mit großen Kreisbewegungen ausgeführten Techniken.

Der Unterschied der heutigen Kampfkünste zu den Grundgedanken und Vorstellungen ihrer Gründer ist enorm. Dies trifft aber nicht nur auf Hapkido zu, sondern auch auf die meisten anderen Kampfkünste; man denke z.B. an das Aikido, welches sich durch das falsch interpretierte Prinzip der Gewaltfreiheit seines Gründers, Meister Ueshibas, zu einem weichen Stil tänzerischen Charakters und geringer praktischer Wirksamkeit entwickelt hat.

Betrachtet man alleine die Entwicklung in Österreich mit mittlerweile über sechs verschiedenen Verbänden und Richtungen, so stellt sich die Frage, warum es zu keiner einheitlichen Organisation gekommen ist. Zum einem liegt es sicherlich, dass Hapkido nie wirklich straff organisiert war, wie z.B. Karate, Judo, oder Tae Kwon Do, und zum anderen liegt der Grund vielleicht auch in einer falschen Interpretation des Schüler – Meisterverhältnisses. Der Umstand, wie lange ich bereit bin, mich unterrichten zu lassen und wann der Meister bereit ist, mich loszulassen, sind hier wohl die elementarsten Fragen. Hier würde aber auch eine tief greifende Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Budos weiterhelfen, ohne ständig neue Verbände und Richtungen entstehen zu lassen.

Die Rückkehr zum Ursprung zeigt sich als Suche nach den Prinzipien, dem Finden einer philosophischen Basis und der Anwendung dieser Prinzipien (in der Realität).


Meine Geschichte (Gilbert Neuwirth):

... begann in den Jugendjahren mit Judo und kam 1988 über Umwege zu Hapkido. Meine Ausbildung zum ersten Dan erfolgte unter Meister Ewald Pilz. Mit diesem Wissen und einer soliden Basis kam ich 1995 anlässlich eines Österreichlehrganges mit GM Ji Han Jae in Berührung. Von diesem Zeitpunkt an wurde es mir bewusst, dass jene Elemente, die in Österreich unterrichtet wurden, nur ein kleiner Teil des ursprünglichen Hapkidos waren.
Auf der Suche nach den Wurzeln und dem Ursprung kam ich über GM Kim Sou Bong, bei dem ich meinen zweiten Dan ablegte, bald zu der Erkenntnis, dass im europäischen Raum immer nur Teile von Hapkido unterrichtet wurden.

Ich versuchte den Kontakt zu jenen HKD Meistern der ersten Generation herzustellen, welche noch das ursprüngliche Hapkido unterrichten. Nach Kontakten zu GM Choi Kil Bong, GM Bong So Han, und vielen anderen, kam ich schließlich zu GM Ho Jin Song.

Hier fand ich erstmals wonach ich suchte. GM Ho Jin Song 9. Dan HKD, der mich auch bis zum 3. Dan unterrichtete, brachte mir in dieser Zeit nicht nur Hapkido näher, sondern lehrte mich vor allem die menschlichen Aspekte dieser Kampfkunst. Der Kontakt zu ihm ist bis heute noch ungebrochen.

Nach einer persönlichen Empfehlung kam ich zu GM Kwang Sik Myung, 10. Dan HKD, bei dem ich nach mehreren längeren Aufenthalten in den USA und intensivem Studium die Prüfung zum 4. Dan und Jahre später zum 5. Dan ablegen konnte.

Mein Training basiert auf der Überzeugung, dass die Techniken des Hapkidos sehr effektiv in ihrer Anwendung sind. Meine TrainerInnen und ich sind sehr bemüht, dies zu vermitteln, ohne dabei die geistigen und moralischen Aspekte zu vernachlässigen. Eine ausgewogene Balance zwischen geistiger und körperlicher Entwicklung soll dies gewährleisten.

Ich versuche mein Wissen und meine Erfahrungen an meine Schüler weiterzugeben, ohne dabei das rasche Erlangen eines Schwarzgurtes, wie es oftmals leider üblich ist, in den Vordergrund zu stellen, denn es würde ja auch kein Architekt ein mehrstöckiges Haus ohne ein solides Fundament bauen!

Auf unserem Weg unterstützten und respektieren wir all jene, die dem Traditionellen Budo
(-Weg) treu geblieben sind.


GM Ho Jin Song GM Kwang Sik Myung

 

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